Der Frieden mit unseren Ahnen

Warum eine bewusste und lebendige Verbindung mit unserer Sippe uns Kraft und Weisheit für unser Leben schenkt

Wann fühlen wir uns gesund? Viele Menschen haben darauf keine direkte Antwort. Die meisten Antworten auf diese Frage beschreiben die Abwesenheit von Beschwerden oder Krankheiten. Mit anderen Worten, wir fühlen uns körperlich gesund, wenn wir unseren Körper gar nicht bemerken, wenn wir mit uns im Reinen sind. Oder anders ausgedrückt, gut mit uns und unserer physischen Energie verbunden sind.

Wir wissen natürlich nicht, was ein Baum auf diese Frage antworten würde. Ich gehe jedoch davon aus, dass gesunde, kräftige, gut funktionierende Wurzeln einen wesentlichen Teil der Antwort darstellen würden. Ein Baum kann ganz offensichtlich dann aufblühen, wenn er gute Wurzeln hat. Ein Baum wird auch nicht in unserem menschlichen Sinne nachdenken, was seine Bestimmung ist, er wächst, blüht und bringt Früchte hervor. Seiner Natur entsprechend folgt er so einem inneren Plan.

Auch wir Menschen haben unseren ureigensten, inneren Lebensplan. Der Plan darüber, wie wir wachsen, uns entfalten und erblühen sollen. Manche von uns folgen diesem Plan instinktiv, andere ahnen eher, wohin die Lebensreise geht, doch vielen Menschen fehlt hierfür völlig die Orientierung und Klarheit.

Eines jedoch gilt für uns alle: Je besser wir mit unseren Wurzeln verbunden sind, desto mehr Ressourcen stehen uns zur Verfügung, unsere Potenziale zu entfalten und unseren Lebensplan zu verwirklichen. Aber was sind nun unsere Wurzeln, die uns beim Wachsen und Erblühen nähren?

Das Leben ist über unsere Eltern zu uns gekommen

Hinter unserer Mutter und unserem Vater stehen Generationen von Müttern und Vätern, die das Leben weiter gegeben haben, bis es schließlich in einem magischen Moment bei uns angekommen ist. Ich finde das Bild von zwei unendlichen Ahnenreihen, eine weiblich eine männlich, die hinter mir stehen, sehr eindrücklich. Es zeigt plastisch, wie groß und weit der Strom unserer Ressourcen ist und von wie weit her der Fluss des Lebens zu uns geflossen ist. Doch was hindert uns im Alltag so oft daran, einfach aus dem Vollen zu schöpfen und zu erblühen?

Woher kommt es, dass Menschen sich von ihren Wurzeln abgeschnitten fühlen? 

Zum einen haben sich die sozialen Gefüge sehr stark verändert. Der fehlende Halt in der Familie bringt junge Leute dazu, sich in Gruppen zusammen zuschließen. Hier verbinden die gemeinsamen Ideale und schaffen so oftmals eine neue geistige Heimat, die Halt gibt, wenn die Gesinnung der Gruppe lebensförderlich ist. Nicht immer gelingt dies.

Zum anderen entsteht ein tiefes Gefühl von Entwurzelung zum Beispiel bei den sogenannten Findel- oder Klappenbabies. Hierbei handelt es sich um inzwischen längst Erwachsene, die von ihrer Mutter verlassen, bzw. in einer Babyklappe abgegeben und somit von anderen Menschen adoptiert wurden. Diese Menschen können später selten eine eigene, stabile Identität entwickeln. Auch eine territoriale Vertreibung oder Flucht, die zum Beispiel aus dem ersten oder zweiten Weltkrieg resultieren, können eine Entwurzelung beim Menschen bewirken. Wichtig zu wissen ist, dass diese tiefen Empfindungen nicht mit der nachfolgenden Generation enden. Vielmehr dauert es teilweise bis zu vier Generationen, bis sich diese Gefühle wieder auflösen. Bis dahin trägt einer aus der aktuellen Familie dieses Gefühl der Entwurzelung in sich, gespeichert auf der Zellebene. Die freie Journalistin Sabine Bode, beschreibt dies sehr gut in ihrem lesenswertem Buch „Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation“.

Weitere Ursachen für das Fehlen gesunder Wurzeln können sein

  • der frühe Verlust eines oder beider Elternteile, vor allem in sehr jungen Jahren 
  • der Verlust von Geschwistern bei Abgang, Abtreibung oder Todgeburt 
  • wenn das Kind unerwünscht war
  • wenn das Kind abgetrieben werden sollte
  • wenn das Kind ein Kuckuckskind war – wissentlich oder unwissentlich nicht das leibliche Kind des vermeintlichen Vaters
  • Tod der Mutter im Kindbett bis in die 7. Ahnenreihe zurück
  • Vertreibung, Flucht, Auswanderung direkter Vorfahren bis in die 7. Ahnenreihe
  • Verlust von Generationenerbe (Bauernhof, Fabrik, Weingut…)
  • ein Kind oder direkte Ahnen sind aus einer Vergewaltigung hervorgegangen

Ahnenverehrung in anderen Kulturen

Ganz anders ist es da in Asien, wo die Ahnenverehrung der letzten sieben Generationen ein fester Bestandteil der Kultur ist. In China zum Beispiel wird der Tod als Schlaf angesehen, aus dem der Verstorbene wieder erwachen kann. Aus diesem Grund besitzt jedes gläubige Haus in China einen Hausaltar, den Ahnenaltar, der mit den Namen der verstorbenen Verwandten versehen ist und mithilfe dessen den Seelen der Toten auch Opfergaben angeboten werden. Auch nach der Bestattung ist es die Aufgabe der Hinterbliebenen, die Ehre der Ahnen aufrechtzuerhalten. Mit Opfergaben und Gebeten wird die Nähe zu den Ahnen bewahrt. Immer noch als Teil der Familie angesehen, sollen die Ahnen einen günstigen Einfluss auf bevorstehende Ereignisse ausüben, weshalb bei wichtigen Entscheidungen auch der Ahnenaltar hinzugezogen wird.

Die Wiederanbindung an den Kraftstrom der Generationen

In allen traditionellen schamanischen Kulturen sind die Ahnen wesentliche und nicht selten die wichtigsten Verbündeten des Schamanen. Im heutigen Schamanentum, das in Europa praktiziert wird, fällt auf, dass die Ahnen wenig Beachtung finden. Die übermäßige Gewichtung der Tiergeister im Gegensatz zur kaum vorhandenen Beachtung, die den Ahnen geschenkt wird, lässt Rückschlüsse auf die entwurzelte Situation vieler Menschen zu, die sich der Spiritualität und dem Schamanismus zuwenden.

„Wenn wir nicht wissen, wo wir herkommen, werden wir auch nicht wissen, wo wir hingehen.“

Dennoch bieten die alten schamanischen Traditionen eine sehr effektive Möglichkeit die Verstrickungen mit den Ahnen zu klären und so die Herkunft und Vergangenheit zu befrieden. Der Hilfesuchende kommt dabei mittels einer systemischen und rituellen Aufstellungsarbeit auf einer tiefen, dem Alltagsbewusstsein verborgenen, energetischen Ebene wieder in Kontakt mit seinen energetischen Wurzeln zurück bis zur 7. Generation. 

Eine solche Aufstellung wirkt oft wochen- bis monatelang nach und bewirkt meist sofort das Gefühl von Leichtigkeit und Befreiung. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, kommt der Mensch mit sich in Einklang und bekommt ein Gefühl von in sich ruhen. Manche beschreiben dieses Gefühl wie neu geboren sein. Nicht selten richtet sich solch ein Mensch danach in seinem Leben ‚richtig‘ ein, er kommt endlich an.  Andere wiederum krempeln ihr Leben um, entdecken ihren Traum und starten in ihr eigens Leben. Schnell wächst das Selbstwertgefühl und damit auch das Selbstbewusstsein.

Aus eigener Erfahrung

Im sehr frühen Kindesalter verstarb mein Vater. Durch diesen Verlust habe ich einen Teil meiner Wurzeln verloren. Viele Jahrzehnte lang habe ich mich durch eigenes Erleben bzw. Erleiden motiviert, mit der Thematik lösungsorientiert auseinander gesetzt. Dazu habe ich zahlreiche Selbstfindungsseminare besucht, diverse Aufstellungen und Ausbildungen gemacht. Von frühester Jugend an habe ich mich für das Schamanische interessiert. So habe ich über viele Jahre hinweg den Kontakt zu Schamanen gesucht, war mit einem Schamanen in den peruanischen Anden unterwegs und habe dort Weisungen und eine Initiation erfahren. Durch die Arbeit mit den Schamanen habe ich die Wiederanbindung an die Kraft meiner Herkunft erlangt und dabei meine eigenen schamanischen Wurzeln entdeckt. 

Seit mehr als sieben Jahren arbeite ich jetzt in diesem Bereich und verhelfe Menschen dazu ihre Ahnen wieder als eine große Quelle von Kraft und Weisheit zu entdecken.

Meine eigens gemachten Erfahrungen auf diesem Gebiet sind der Grund, dass ich mich für diese Thematik so stark interessiert habe. Anders als jemand, der das Ganze nur studiert hat, fülle ich von innen heraus die Aufstellungsarbeit mit Leben und erreiche hierdurch Menschen in einer Tiefe, wie es viele nicht für möglich halten. Durch- und tiefgreifende Veränderungen werden möglich, die sich nicht selten wochen- und monatelang fortpflanzen und die ein intensivstes Persönlichkeitswachstum bewirken. Manchmal fühlen sich die Menschen danach wie neu geboren, im wahrsten Sinne des Wortes.

Über die Autorin 

Bianka Maria Seidl ist Chitektin, spirituelle Mentorin, Seminarleiterin und Autorin mit schamanischen Wurzeln.

Mit ihrer 30jährigen Erfahrung im Business, ihrer Fähigkeit schlummernde Potenziale zu erkennen, ihrem Hellwissen, sowie mittels Energiearbeit auf verschiedenen Ebenen, hilft sie ihren Klienten die Vergangenheit zu befrieden, Ängste und Selbstzweifel zu überwinden, sowie ein starkes Mindset und ein stärkendes Umfeld aufzubauen – für ein authentisches, freies und eigenverantwortliches Leben im Einklang mit Herz und Seele.

Sie ist Autorin von zwei Büchern und sie veröffentlicht regelmäßig ihre Beiträge in ihrem Blog und in Magazinen.

Websites: www.ahnenfrieden.euwww.biankaseidl.de – www.yoya-chitektur.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.